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Management von Klauenerkrankungen

verfasst von: Andrea Fiedler am 06.06.2003, 00:00 Uhr Klauen 
Im Rahmen der integrierten Bestandsbetreuung steht eine Zusammenarbeit von Betriebsleitern, Mitarbeitern und Tierärzten hinsichtlich des gesamten Herdenverbandes im Mittelpunkt. Durch das Entstehen großer Betriebe mit zum Teil sehr hohen Tierzahlen ist häufig nicht mehr das Einzeltier alleine im Fokus, sondern alle beteiligten Personen sind zum Controlling einer ganzen Herde aufgefordert. So können erhobene Daten gezielt für die Ursachenforschung und vor allem für die Prophylaxe genutzt werden

 Im Rahmen der integrierten Bestandsbetreuung steht eine Zusammenarbeit von Betriebsleitern, Mitarbeitern und Tierärzten hinsichtlich des gesamten Herdenverbandes im Mittelpunkt. Durch das Entstehen großer Betriebe mit zum Teil sehr hohen Tierzahlen ist häufig nicht mehr das Einzeltier alleine im Fokus, sondern alle beteiligten Personen sind zum Controlling einer ganzen Herde aufgefordert. So können erhobene Daten gezielt für die Ursachenforschung und vor allem für die Prophylaxe genutzt werden.Praktische Umsetzungen dieser Überlegungen stehen im Mittelpunkt einer Bestandsbetreuung. So werden z.B. im Rahmen des Body Condition Scoring zwar Einzeltiere beurteilt, es kann dann aber der Herdenstatus bzw. ein Gruppenstatus (z.B. Trockensteher) erfasst werden. So sind auch Rückschlüsse auf Ursachen und Folgen der erkannten Probleme möglich.Im Zusammenhang mit den Klauenerkrankungen sind entsprechende Bewertungen der Klauengesundheit im Herdenverband ebenfalls zu empfehlen. Lahmheiten sind in der modernen Milchviehhaltung mit hohen direkten und indirekten Kosten verbunden. Zum einen sinkt die Milchleistung der betroffenen Tiere, zum anderen ergeben sich Fruchtbarkeitsprobleme (lahmende Tiere zeigen Brunst undeutlich, werden z.T. sogar hormonell behandelt, um Brunstzeitpunkt festzulegen, usw.), es kommt zu Gewichtsverlusten, eventuell gehen die Tiere vorzeitig ab (Remontierungsrate steigt). Während einerseits die Einzeltierbeobachtung insbesondere in großen Milchviehherden v.a. aus Zeitmangel immer problematischer wird, nehmen andererseits behandlungsbedürftige Klauenschäden immer mehr zu (LKV, 1998). Hier bietet sich eine regelmäßig durchgeführte, gezielte Beurteilung der Bewegung der Kühe geradezu an, um Problemfälle gezielt zu erkennen. Diese können dann umgehend einer Behandlung zugeführt werden. Herdenproblem „Lahmheit“Das Management von Klauenkrankheiten in einem Bestand setzt natürlich die Erkenntnis voraus, dass es sich um ein Herdenproblem handelt. Vermunt und Greenough (1997) geben eine jährliche Inzidenz von 10% lahmenden Kühen in der Herde als Maximum an, bis zu dem die entstehenden Kosten sich noch in einem akzeptablen Rahmen halten. Sie weisen aber darauf hin, dass in Zukunft wohl bereits bei einer 5%igen Prävalenz einer bestimmten Krankheit eine Herdenuntersuchung anzustreben ist. Der Tierbesitzer erkennt jedoch die Prävalenz der erkrankten Kühe oftmals nur sehr unzureichend (Vermunt u. Twiss 2002; Whay 2002). Im Rahmen der Tierbeobachtung können den Kühen regelmäßig definierte Lahmheitsgrade zugeteilt werden. Die Einteilung in Lahmheitsgrade erlaubt eine Aussage über den Herdenstatus, wodurch sich Angaben zu möglichen wirtschaftlichen Verlusten machen lassen. Eine Aussage über die Ursachen der Lahmheiten kann allerdings nur über eine Einzeltieruntersuchung nach der Herdenbeobachtung erbracht werden.LahmheitsbeurteilungZahlreiche Vorschläge zur Beurteilung von Lahmheiten wurden in der Vergangenheit gemacht (Manson and Leaver, 1988, Ward, 1998, Whay et al., 1997). Grundsätzlich ging man meist davon aus, dass „verdächtige“ Tiere gezielt bei der Bewegung auf hartem und planem Untergrund betrachtet werden können. Die Lahmheitsbeurteilung wurde dann u.a. an Erfahrungen mit Pferden angelehnt, eine Einteilung in Lahmheitsgrade (z.B. geringgradig undeutlich lahm, geringgradig lahm, mittelgradig lahm, hochgradig lahm oder Unterteilung in 9 verschiedene Grade (Ward, 1998)) ist stark vom Beobachter abhängig (Wissensstand, ausreichend Beobachtungszeit usw.). Folgende Überlegungen sollten dabei berücksichtigt werden: Die Durchführung sollte jederzeit, für nahezu jedermann, innerhalb relativ kurzer Zeit und reproduzierbar möglich sein, unabhängig vom Herausnehmen einzelner Tiere aus dem Herdenverband. Es bietet sich also nahezu zwingend an, derartige Beobachtungen am Ausgang aus dem Melkstand durchzuführen. Hier gehen die Tiere meist zügig und zielgerichtet in kleineren Gruppen, häufig in einer Reihe, eine gewisse Strecke auf relativ ebenem Boden. Die Beobachtungszeit kann, abhängig von den Melkzeiten, problemlos festgelegt werden. Je nach Gruppengröße der zu beurteilenden Tiere kann der Gesamtstatus einer Herde auch zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgen. Da Klauenkrankheiten häufig die Tendenz haben, sich unbehandelt zu verschlechtern, sollte die Durchführung einer solchen Maßnahme mindestens alle 4 Wochen erfolgen, bei sehr guter Klauengesundheit könnten eventuell auch größere Abstände gewählt werden. Selbstverständlich muß dennoch jeden Tag auf neu auftretende Lahmheiten geachtet werden, durch die regelmäßig und rasch einsetzende Behandlung betroffener Tiere und die Beurteilung und Abschaffung der Lahmheitsursachen sollte die Häufigkeit von Lahmheiten jedoch stark abnehmen.Locomotion ScoreFolgende Lahmheitsbewertung hat sich in zahlreichen Herden bereits bewährt:Locomotion Score nach Sprecher et al.,1997 (www.de.availa4.com)Bei der Beobachtung der Tiere wird zunächst der Krümmung des Rückens im Stand und in der Bewegung Aufmerksamkeit geschenkt. Kühe mit Problemen, mit Schmerzen am Fundament werden eine Krümmung des Rückens aufweisen. Ein gerader Rücken im Stehen und beim Gehen wird der „Bewegungsnote 1, normal“ zugeordnet.



Bewegungsnote 1, normalRücken im Stehen und beim Laufen ungekrümmt. Tritt normal auf. (Abbildungen entnommen: www.de.availa4.de, nach Sprecher et al., 1997)Über „Bewegungsnote 2, leicht lahm“ (gekrümmter Rücken nur beim Gehen) geht die Beurteilung zur „Bewegungsnote 3, mittelmäßig lahm“. Erst hier kann neben einer Rückenkrümmung im Stehen und Gehen auch eine Schrittverkürzung festgestellt werden.



Bewegungsnote 2, leicht lahmIm Stehen ist der Rücken ungekrümmt, im Gehen jedoch gekrümmt. Gang ist leicht abnormal. (Abbildungen entnommen: www.de.availa4.de, nach Sprecher et al., 1997)



Bewegunsnote 3, mittelmäßig lahmRücken im Stehen und beim Laufen gekrümmt. Macht mit einem oder mehreren Beinen kürzere Schritte. (Abbildungen entnommen: www.de.availa4.de, nach Sprecher et al., 1997)Tiere, die der „Bewegungsnote 4, lahm“ mit dem dauerhaft gekrümmte Rücken und nur noch teilweisem Auftreten von einem oder gar mehrerer Gliedmaßen, zugeordnet werden, würden vermutlich auch als lahmende Einzeltiere erkannt werden. Auch Kühe mit „Bewegungsnote 5, schwer lahm“, die neben einem stets gekrümmtem Rücken ein Bein gar nicht mehr belasten oder nur noch unter großen Schwierigkeiten überhaupt aufstehen, sind kaum zu übersehen.



Bewegungsnote 4, lahmRücken im Stehen und beim Laufen gekrümmt. Tritt auf einem oder mehreren Beinen nur noch teilweise auf. (Abbildungen entnommen: www.de.availa4.de, nach Sprecher et al., 1997)



Bewegungsnote 5, schwer lahmGekrümmter Rücken. Belastet ein Bein nicht mehr. Steht nicht mehr oder nur noch unter großen Schwierigkeiten auf. (Abbildungen entnommen: www.de.availa4.de, nach Sprecher et al., 1997)Wirtschaftliche VerlusteEs ist jedoch festzustellen, dass bereits ab einer Bewegungsnote 2 eine umgehende Untersuchung des betroffenen Tieres aus wirtschaftlichen und tierschützerischen Gründen notwendig ist. Das Tier hat offensichtlich Schmerzen. Die Ursache kann, ohne sichtbare Entlastung eines Beines, natürlich auch andere organische Ursachen haben (Endometritis, Verdauungsstörung usw.). Eine gezielte Untersuchung  des Tieres wird dies ausschließen, die Diagnostik im Klauenstand kann dann Aufschluß über die Ursache geben. Häufig sind es bereits behandlungsbedürftige Erkrankungen wie kleine Läsionen im Sinne der digitalen Dermatitis (Mortellarosche Krankheit), beginnende Rusterholzsche Sohlengeschwüre, drohende Phlegmonen o.ä.. Wird hier rechtzeitig eingegriffen (v.a. Therapeutische Klauenpflege !), können wirtschaftliche Verluste minimiert werden. Wird ein Tier dagegen erst bei Bewegungsnote 4 oder 5 erkannt und untersucht, sind bereits umfangreiche wirtschaftliche Schäden entstanden, die Behandlung wird oft zeit- / kostenintensiv und das Tier litt und leidet unnötig Schmerzen.Hinsichtlich der eintretenden wirtschaftlichen Verluste wurde im Rahmen einer gezielten Herdenuntersuchung mit diesem Locomotion Score ermittelt, wie hoch, abhängig vom Lahmheitsgrad, der Effekt auf die Fruchtbarkeit auf die betroffenen Tiere war.Effekt von Lahmheit auf die Fruchtbarkeit (Sprecher et al., 1997)



   Ähnliche Untersuchungen hinsichtlich der Verminderung der Milchleistung wurden in der gleichen Herde durchgeführt und sind als Rechenbeispiel für wirtschaftliche Verluste im Internet zugänglich (www.de.availa4.com). http://www.de.availa4.com/locomotion/pdf/Locomotion-Presentation.pdfDie bei den Einzeltieruntersuchungen und –behandlungen erhobenen, unbedingt zu dokumentierenden Daten geben Aufschluß über die einzelnen, vorgefundenen Erkrankungen, die Erkrankungshäufigkeit in der Herde und erlauben dadurch Rückschlüsse auf die Ursachen (z.B. Fütterungsrehe, Belastungsrehe, digitale Dermatitis - Hygieneprobleme usw.). Somit werden gezielte Prophylaxemaßnahmen möglich. Eine Sanierung der Herde hinsichtlich Lahmheiten sollte umgehend erfolgen, es sollten aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht mehr als 10 % der Tiere einen Lahmheitsgrad von 2 und mehr aufweisen.Literatur:Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V.: Leistungs- und Qualitätsprüfung in der Rinderzucht in Bayern 1998. München, 1998.Manson FJ, Leaver JD: The influence of concentrate amount and clinical lameness in dairy cattle. Animal Prod 1988, 47: 185-190Sprecher, DJ,  Hostetler DE, Kaneene JB: A lameness scoring system that uses posture and gait to predict dairy cattle reproductive performance. Theriogenlogy 1997, 47: 1178-1187.Vermunt JJ, Greenough PR: Management and control of claw lameness – an overview. In: Lameness in cattle. P. R. Greenough and A. D. Weaver (eds.). Philadelphia, USA, Saunders, 1997: 308-315.Vermunt, J. J. and D. P. Twiss: Managing herd lameness - a perspective from down under. 12th International Symposium on Lameness in Ruminants, 2002, Orlando, USA: 295-297Ward WR: Standardisation of gait analysis in cattle (Workshop). 10th International Symposium on Lameness in Ruminants, Luzern, Schweiz: 32-35Whay HR, Waterman AE, Webster AJF : Assosiations between locomotion, claw lesions and nociceptive threshold in dairy heifers during pero-partum period. Vet J 1997, 154: 155-161Whay, HR: A Review of current pain management in ruminants - the lame cow model. 12th International Symposium on Lameness in Ruminants, 2002,Orlando, USA: 131-138


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